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Ultracycling und Alpenpaesse

Lanzarote Trainingslager Tag 12

Der Wetterbericht hatte angekündigt, dass der Wind tatsächlich mal in Richtung Süden dreht, und eher normale Windstärke aufweisen wird. Das würde die Routenplanung etwas beeinflussen.

So richtig ist mir mein Plan für heute noch selbst nicht klar. Ich mag den 20 Minuten all-out Test definitiv nicht machen, wohl aber will ich noch ein paar Höhenmeter sammeln. Ich überlege im Norden anzufangen, und dann den einzigen Abschnitt, den ich noch nicht befahren habe, über Conil auf die LZ-2, zu nehmen um weitere Höhenmeter im Süden hinzuzufügen.

Der Wind weht tatsächlich anders als die Tage, ich kann die genaue Richtung zunächst aber nicht bestimmen. Ich fahre meine Standardstrecke über die LZ-14, dabei bleibe ich erst mal im G1 Bereich, heute will ich es zumindest anfangs etwas moderater angehen lassen. Dabei überhole ich doch tatsächlich wieder die etwas unhöflich wirkende Rennradlerin von gestern, auch heute ist sie, äh, konzentriert, ich fahre meinen Stiefel und ignoriere sie, bleibe aber brav im G1.

Auf der LZ-1a geht es nach Norden, allerdings ziehe ich diesmal durch bis zur Abfahrt nach Guatiza, ich will bis Arrieta weiterfahren. Vor Guatiza fällt mir aber eine Straße auf, die ich noch nie gesehen habe. Ein großes Schild „Preferencia Bici“ prangt dort. Ich habe keine Ahnung wo die hinführen soll, denn da ist ja eigentlich nix. Parallel zur LZ-1 geht es nicht weiter, in Richtung Inselmitte kommt nur ein einsames Tal, mit ein bisschen Landwirtschaft. Zur LZ-10 kann wird die Straße kaum führen, das wäre mir aufgefallen.

Anyway ich probiere es einfach aus. Auf herrlich glattem, frischem Asphalt fahre ich die neue LZ-406. Auf einer Brücke geht es über die LZ-1, dahinter zeigt sich, was wohl mal der Plan sein soll, eine Verlängerung der Service Road und Fahrradstraße. Momentan ist aber aus dem Baustellenschild noch nix da.

Die neue LZ-406

Die Straße führt aber weiter auf den markanten Vulkankegel zu, und dann darum herum. Sehr schön, vielleicht ist das doch eine Querverbindung nach Los Valles, wäre eine prima Abwechslung. Gerade freue ich mich noch am schönen Asphalt, da ist der Spaß nach ca. zwei Kilometern leider auch schon vorbei.

Die Straße führt zwar weiter, der Asphalt aber leider nicht. Zwar liegt da etwas Teer auf der Straße, aber eher vereinzelt, und die Strecke wäre eher was für Gravel Bike oder MTB. Ich fahre trotzdem erst mal weiter und hoffe, dass es wieder besser wird. Das scheint es auch tatsächlich zu werden, allerdings nur für einige Meter, dann wieder gleiche Mist.

Jetzt bin ich allerdings schon mal hier, da ziehe ich auch durch. Vor allem kommen nun mehrere eigentlich ganz schöne, und vor allem ganz schön steile, Anstiege. Leider alle auf schlechtem Asphalt bzw. fast schon Schotter.

Wie vermutet führt die Strecke durch ein kleines Tal mit ein paar kleinen Kartoffelfeldern, außerdem fahre ich an einer Hütte mit einem etwas aggressiven Hund vorbei. Der ist ganz schön groß, und aus irgendeinem Grund auch ganz schön sauer. Es sieht fast so aus, als ob er über die Mauer springen könnte. Ich schätze meine Chancen ab zu flüchten, gerade geht es auf losem Untergrund 9% bergauf. Sieht eher schlecht aus. Aber der große, wild hüpfende Wollknäuel bleibt hinter der Mauer.

Das Tal endet bei El Mojon. Ich fahre noch einen Kilometer auf weiterhin schlechter Straße durch den Ort und lande dann auf der LZ-404. Ich fahre erst mal auf wieder ordentlichem Asphalt bergab, zurück bis Guatiza. Also eine etwas sinnlose Schleife, allerdings gab’s ein paar anspruchsvolle Höhenmeter und vielleicht ist bei meinem nächsten Besuch hier die Straße vollständig geteert.

El Mojon
Guatiza

Durch Guatiza hindurch, vorbei am Kaktusgarten, und schließlich auf die LZ-1 führt mich die Strecke bis Arrieta. Hier drücke ich am Kreisel die Runde ab, und fahre in den ersten längeren Anstieg für heute. Hinauf bis Ye auf der LZ-201.

Ich fahre zwar nicht „all-out“ aber mit ordentlich Dampf. Das geht eigentlich ganz gut, nur zuckt es auf halber Strecke heftig im linken Knie. Mist. Ich versuche es im Wiegetritt, und nehme dann mal kurz raus. Das bringt leider recht wenig. Diesen Schmerz kenne ich eigentlich nur, wenn ich es tatsächlich mal wieder mit Laufen versuche, dann entzündet sich das Knie nach kurzer Zeit und ich muss einige Tage oder Wochen Pause machen.

Ich versuche es mit Ignorieren. Das funktioniert dann auch erst mal. Der Wind kommt heute tatsächlich eher aus Richtung Ost, bzw. sogar Südost, so dass ich nicht auch noch gegen den Wind kämpfen muss. Oben angekommen scheint wieder alles in Ordnung zu sein. Am folgenden 13% in Richtung Maguez laufe ich auf einen Rennradler mit gelb leuchtendem Trikot auf. Er ist noch ganz schön weit weg, aber ich versuche mich ranzurobben.

Der Abstand bleibt dann aber erst mal gleich, und als er oben ist und in die Abfahrt fährt, bin ich immer noch in der Steigung, so dass der Abstand sich auf 200 Meter vergrößert. Da erstmals in dieser Abfahrt etwas Gegenwind herrscht, gebe ich Gas und versuche näher zu kommen. Das gelingt mir auch, im Ort verliere ich ihn dann aber wieder aus den Augen.

Ich fahre linksrum durch Maguez, und siehe da am Ortsende, in dem mindestens 13% steilen Anstieg in Richtung Haria, treffen wir wieder aufeinander, er ist offensichtlich rechtsrum gefahren. Ich komme so zehn Meter vor ihm an der Kreuzung vorbei. Mit dem Gefühl des „Verfolgers“ im Nacken bleibe ich etwas auf dem Gas, ziehe durch bis zum höchsten Punkt und gebe dann auch etwas Gas hinunter nach Haria hinein. Dort gelingen die Sprünge über die Fahrbahnschwellen heute besonders gut. Zumindest die B-Note stimmt also schon mal.

Am Manrique Museum starte ich den Angriff auf den Anstieg hinauf bis zur militärischen Anlage (Sternwarte gefällt mir einfach besser), denn heute will ich die kleine Nebenstraße oben noch nehmen und dort vorbeifahren.

Motiviert durch den Radfahrer hinter mir, fahre ich recht stramm in den Aufstieg hinein. Aus Haria heraus wirkt es nicht mehr ganz so friedlich wie gestern, allerdings ist der Wind etwas stärker, und es ist recht diesig, die Sonne ist von hohen Wolken geschwächt.

Ich fühle mich noch nicht geschwächt, die Beine gehen gut, allerdings meldet sich das Knie nochmal. Das sieht nicht so gut aus, es scheint aber keinen Unterschied zu machen wieviel Watt ich trete, also bleibe ich auch hier auf dem Gas. Ich hoffe in einer der Serpentinen schauen zu können, wo der andere Radler ist. Ich kann ihn aber unterhalb auf der Straße nicht sehen. Also ist er direkt hinter mir? Ich drehe mich das erste Mal seit unserer Begegnung kurz hinter Maguez um, und siehe da, da ist gar keiner.

Entweder habe ich ihn komplett abgehängt, oder ich bin gegen ein Phantom gefahren, vielleicht sitzt der in Haria im Cafe? Ist aber eigentlich egal, denn seinen Zweck hat auch das Phantom erfüllt, ich habe mich selbst angetrieben. Cool, macht irgendwie Spaß.

Die geänderten Windverhältnisse haben den Charakter des Anstiegs nicht verändert. Ich nehme die letzte Serpentine, fahre am Aussichtspunkt und Restaurant Los Helechos vorbei, erreiche den höchsten Punkt, und biege dann wie geplant nochmal leicht berghoch ab in Richtung Sternwarte. Die Straße wird wieder etwas schlechter, und auf rauem Asphalt fahre ich an der militärischen Anlage vorbei, weiter in Richtung Mirador de las Nieves.

Jetzt weiß ich endgültig, dass der Wind tatsächlich aus leicht südlicher Richtung kommt. Hier oben bläst er nämlich heftig. Ich liege schräg im Wind auf der schlechten Straße. Dabei treffe ich auf einen Mountainbiker, während der aber zum Mirador fährt, fahre ich die Stichstraße nicht, sondern fahre auf etwas besserem Asphalt wieder in Richtung LZ-10, und treffe etwas oberhalb des Windparks auf die Straße.

Die Abfahrt hinunter nach Los Valles fährt sich gegen den Wind ganz gut, man kommt trotzdem etwas auf Speed. In Los Valles aber, meldet sich das Knie erneut, und ich verliere etwas die mentale Power. Ich habe vielleicht etwas wenig getrunken, habe aber keinen Durst. Was nicht daran liegt, dass Ameisen meine Trinkflaschen in Beschlag genommen hatten und ich heute morgen erst mal die kleinen Biester aus den Flaschen spülen musste.

Ich habe mich die Tage schon etwas angestrengt, und bin tatsächlich Trainingsrunden gefahren. Ohne klares Ziel und ohne Vorgaben für’s Training ist das mental aber gar nicht so einfach. Außerdem bin ich körperlich momentan noch nicht wieder soweit, dass ich drei Viererblöcke durchziehen kann. Das mein Knie nervt kommt noch hinzu.

So beschließe ich heute nicht noch in den Süden zu fahren, sondern über Teguise und San Bartoleme zurück ins Hotel. Das wird dann definitiv eine Stunde kürzer als geplant. Aber nicht nur das, ich werde morgen einen dritten Ruhetag machen. Eigentlich wollte ich morgen eine Inselumrundung fahren und am letzten Tag eine Cappuccionrunde. Nun mache ich morgen Pause und die Inselumrundung am Donnerstag.

Damit schone ich Knie und Kopf (und meine Sitzfläche freut sich auch). Oder ich leihe mir ein E-Mountainbike und geißele ein bisschen abseits der Straßen durch die staubige Landschaft? Nee, ist zu aufwändig! Lange schlafen, am Strand die Füße ins Meer strecken, ein bisschen den Surfern in Caleta de Famara zuschauen, schonen halt – und hoffen, dass das Knie meine Abschlussrunde am Donnerstag zulässt.

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