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Ultracycling und Alpenpaesse

Tokyo – Tag 2

Nachdem ich in der Nacht kaum ein Auge zugemacht habe und der Jetlag dann morgens zuschlägt, so dass ich es kaum rechtzeitig zum Frühstück schaffe, bin ich ziemlich platt und fühle mich wie gerädert. Dann kann ich aber doch die Energie der Großstadt aufsaugen und mache mich auf den Weg zum ersten Besichtigungsziel.

Auf dem Weg zur U-Bahn Station komme ich an einer Fahrradstation vorbei. Hier kann man alle möglichen Räder ausleihen, vom Rennradähnlichen Cyclocrosser bis zum Lastenfahrrad oder Fahrrad mit Kindersitz. Cool.

Bis zur U-Bahn Station sind noch einige Meter zurückzulegen. Ich freue mich aber mal wieder eine neue fremde Stadt kennenzulernen und auch auf den Tag, bzw. die Woche die jetzt noch vor mir liegt.

Dank Navi App ist es ja heutzutage einfach ein bestimmtes Ziel zu finden. Für Tokyo gibt es natürlich Navigation inkl. ÖPNV. Aber ich laufe erst mal nach Gefühl, so bekommt ein Gefühl für den Puls der Stadt, läuft Wege die einem die Rückseite der Hochglanzfront zeigen. Hier ist allerdings alles rausgeputzt, die schmuddelige Rückseite scheint es nicht zu geben.

Außerdem ist die Metrostation schnell erreicht, so dass die Entdeckungstour nur kurz ist. Da dies meine erste Begegnung mit der Metro der Stadt Tokyo ist, wende ich mich an einen Schalterbeamten. Natürlich gibt es Tickets am Automaten, hier werden keine Fahrscheine per Hand verkauft, aber man bekommt Informationen und der Metro Mann ist sehr sehr hilfsbereit. Obwohl er kaum englisch spricht, hat er mir doch schnell den Automaten erklärt und das passende Tagesticket empfohlen.

Wie die meisten U-Bahnen, ist alles recht logisch und alle Bezeichnungen sind nicht nur in japanisch vorhanden, sondern auch in lateinischer Schrift auf Englisch. Noch dazu haben alle Stationen Nummern, so ist Metro fahren in Tokyo recht einfach. Wenn dann noch die Karten App vom iPhone die beste Verbindung raussucht, gibt es keine Hürde mehr um an sein gewünschtes Ziel zu kommen.

Natürlich benutze ich das Smartphone um mich zurechtzufinden, allerdings nur für die grobe Richtung. Wie oben erwähnt, um eine Stadt kennenzulernen, oder besser um ihre Atmosphäre aufzusaugen muss man sich immer auch ein bisschen treiben lassen, interessanten Nebenstraßen folgen, oder vermeintliche Abkürzungen gehen, die sich vielleicht als Umwege erweisen. Denn genau auf diesen Umwegen sieht man Seiten der Stadt die man beim Abklappern von Sehenswürdigkeiten nicht mitbekommt.

Die U-Bahnfahrt ist weniger spektakulär, als man es von den Bildern mit vollgepfropften Zügen während der Rushour vermuten würde. Außerhalb der Stoßzeiten ist der Platz in der Metro hier absolut großzügig bemessen, größer als in allen anderen die ich kenne.

Wenn man zu Hause manchmal das Gefühl hat, jeder schaut ständig auf sein Smartphone, so ist das hier nicht nur gefühlt so, sondern tatsächlich. Zumindest in der U-Bahn.

Anyway, recht flott erreiche ich mein erstes Besichtigungsziel, den Meiji Jingu Schrein. Meiji war der Kaiser, der Ende 19., Anfang 20. Jahrhundert die Öffnung Japans initiiert hat. Ihm zu ehren wurde diese Gedenkstätte 1920 erbaut.

Das Gelände ist eine echte Oase der Ruhe in der lebhaften Big City Tokyo. Wäre es jedenfalls, aber natürlich ist es eines DER touristischen Ziele in Tokyo, so dass man sich die Ruhe mit vielen hunderten Menschen teilen muss.

Der Weg zum eigentlichen Schrein hat etwas erhabenes, die Schlichtheit bei gleichzeitiger Größe vermittelt diesen Eindruck, selbst wenn sehr viele Menschen unterwegs sind. Der Schrein und die umgebenden Gebäude mit den typischen Pagodendächern und dem entsprechenden Eingangstor ist gesäumt von weiteren Gebäuden.

Ich hatte eine reine Gedenkstätte erwartet, allerdings wird hier rituell verehrt und Wünsche an die Götter formuliert. Und es gibt einen geschäftigen Handel mit allerlei Dingen, die die Zukunft vorhersagen oder positiv beeinflussen sollen. Die Japaner scheinen dieses Ritual sehr ernst zu nehmen. Ich verzichte auf die Teilnahme, schaue mir stattdessen eine Hochzeitsgesellschaft an, werfe einen Blick in den Schrein und besichtige dann den „inneren Garten“. Der einzige Teil der Anlage der Eintritt kostet. Hier ist es, abgesehen vom Hintergrundrauschen der Stadt, dass auch bis hierher vordringt, tatsächlich ruhig.

Nachdem die Füße müde sind, nehme ich die U-Bahn zurück zum Hotel. Im Bioladen gegenüber kaufe ich ein paar Nüsse zum knabbern und bestaune den Tee vom deutschen Bio Pionier Lebensbaum. Allerdings über 7 Euro für ein Päckchen Tee ist mir dann doch zu teuer. Dies ist aber die Ausnahme, ansonsten sind die Preise völlig normal, teils moderat.

Nach kurzem Zwischenstopp im Hotel versuche ich im Starbucks um die Ecke ein bisschen am Blog zu schreiben und meine Schreibenergie zurückzugewinnen. Der Versuch misslingt. So fahre ich nach Asakusa. Dort kann man nicht nur das lebhafte Treiben im Viertel genießen, sondern auch den ältesten Tempel, den Sensoji Tempel besuchen.

In Asakusa ist die Hölle los, aber auf eine angenehme Art. Natürlich ist Wochenende, so dass vor allem japanische Touristen unterwegs sind. Überhaupt, gehen die nichtasiatischen Touristen hier in der Menge ziemlich unter.

Durch ein beeindruckendes Tor gelangt man auf eine lange Einkaufs- bzw. Souvenierstraße. Schließlich gelangt man zum Haupttor. Die riesigen Laternen wiegen 500 bzw. 1000 kg. Ganz zu schweigen von 400 kg schweren Sandalen die auf der Rückseite des Tores hängen. Ok, selbst buddhistische Kultstätten sind crazy…

Das Gelände beherbergt viele verschiedene kleinere und große Tempel und Gebäude, am auffälligsten natürlich das Hauptgebäude wo die rituelle Verehrung stattfindet (auch hier trägt man Wünsche vor…), und die fünfstufige Pagode.

Ein sehr sehenswerter Ort. Wie auch sonst in der Stadt und bei den anderen Sehenswürdigkeiten, alles sehr sauber, alles top in Schuss, alles sieht aus wie frisch gestrichen, besser alles IST frisch gestrichen, beeindruckend.

Nachdem ich den Rummel dort eine Weile genossen habe, verlasse ich das Gelände in Richtung Fluss und schlendere noch etwas durch das Viertel. Auf der anderen Seite des Flusses steht der Skytree, der höchste Turm Japans, und einer der höchsten Weltweit. Für mich als Höhenfetischist sicher eine Hauptattraktion in Tokyo.

Die Reiseführer und Websites haben was von stundenlangen Wartezeiten und online Tage vorher buchen erzählt. Meine touristische Erfahrung sagt mir, es gibt immer einen „Fasttrack“, also mache ich mich zu Fuß auf den Weg zum Turm.

Am Fluss entlang, durch „untouristische“ Gegend. Schön zu sehen, dass es Fahrradstreifen auch an breiteren Straßen gibt. Allerdings fahren viele Japaner auf dem Bürgersteig mit dem Fahrrad, so dass man als Fußgänger etwas aufpassen muss. Aber insgesamt verhält man sich hier sehr sehr rücksichtsvoll.

Am Skytree angekommen, nicht ohne ihn vorher hundertmal fotografiert zu haben, fahre ich in den 4. Stock zum Ticketcounter, und siehe da, alles kein Problem. Wartezeit genau 0 Minuten. Es gibt sogar einen Spezialschalter für „Foreign Tourists“.

Am Fahrstuhl muss ich auch nur wenige Minuten warten, dann geht es mit 600m/min nach oben.

Nach nicht mal einer Minute haben wir die erste Plattform in 340 Metern Höhe erreicht. Drei Schritte und man hat eine gigantische Aussicht über die Stadt. Awesome! Fantastisch dieser Ausblick, fantastisch die Stadt. Tokyo ist eine richtige Stadt. In der Liga London, Paris, New York.

Ich kann mich nicht sattsehen. Jede Himmelsrichtung bietet einen fantastischen Blick auf diese beeindruckende Stadt. Ich trinke einen Kaffee mit Blick auf den Südosten der Stadt. Es ist zwar „crowded“ auf der Plattform, aber alles noch völlig im Rahmen, man muss sich nicht an ein Fenster drängeln um was zu sehen. Außerdem ist die Plattform sehr großzügig bemessen. Genau genommen hat sie zwei für Besucher zugängliche Stockwerke.

340 Meter ist schon verdammt hoch, der Blick aus dieser Höhe einfach spektakulär, aber alles lässt sich steigern. So geht es weiter mit dem nächsten Fahrstuhl auf die zweite Plattform, die Tembo Galleria. Die ist 450 Meter hoch.

Das die ganze obere Plattform von einer Hello Kitty Ausstellung dominiert wird und entsprechend gestaltet ist, erwischt mich etwas auf dem falschen Fuß. Bin halt in Japan. Und vieles was aus der Ferne ziemlich crazy wirkt, ist es vor Ort betrachtet gar nicht.

Anyway, auch hier genieße ich den Ausblick und die, durch die weiteren hundert Höhenmeter veränderte, Aussicht auf die Stadt. Allerdings ist zum schauen und genießen die untere Plattform besser, dort hat man riesige Fenster, hier oben hat man „nur“ einen relativ kleinen Rundgang mit eher kleinen Fenstern und viel Stahlgerüst dazwischen.

So fahre ich bald wieder runter auf die erste Plattform und verbringe noch einige Zeit dort. Irgendwann kann ich mich aber lösen und verabschiede mich von der fantastischen Aussicht.

Am Boden angekommen geht es an einem Kanal entlang zur nächsten U-Bahn Station und zurück ins Hotel. Es ist erst 18 Uhr, aber ich bin durch den gestörten Schlafrhythmus doch sehr müde und schlafe recht schnell ein…

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