steilberghoch

Ultracycling und Alpenpaesse

Lanzarote trainingslager Tag 2

Meine Hoffnung von gestern, dass das Frühstück besser als das Abendessen ist, hat sich leider nicht erfüllt. Gelb gefärbtes und gesüßtes Wasser als O-Saft zu bezeichnen, für ein 4* Hotel schon erstaunlich mutig.

Anyway, für eine halbwegs vernünftige Unterkunft zahlt man momentan offensichtlich mindestens vierstellig, habe ich nicht getan. You get what you pay for…

So suche ich mir das vermeintlich Beste raus, und mein Essen wird etwas proteinlastig. Heute will ich es aber sowieso noch eher ruhig angehen lassen. Um halb zehn sitze ich auf dem Fahrrad und fahre gegen den heute deutlich moderateren Nordostpassat in Richtung Norden.

Anfangs auf der gleichen Strecke wie gestern, nur dass ich diesmal etwas später auf die LZ-1 wechsle, und stattdessen den kleinen Umweg über Guatiza fahre, vorbei am Kakteen Garten (vom Manrique natürlich).

Guatiza

So ganz habe ich mir die Strecke noch nicht zurechtgelegt, entschließe mich schließlich zunächst wieder in Richtung Orzola zu fahren. Anfangs fühlt sich das Fahren etwas zäh an, dann verliere ich mich in Gedanken. Bin immer noch nicht ganz angekommen, und habe noch nicht recht abgeschaltet. Musste das eine oder andere Projekt etwas unfertig zurücklassen, was bei meinem Job wahrscheinlich vor jedem Urlaubsantritt der Regelfall ist, aber sonst habe ich das schneller abgeschüttelt.

Ich überhole den ein oder anderen Radfahrer, ein fitter Radler auf dem Zeitfahrrad braust an mir vorbei, doch das stört mich nur kurz beim Denken. Es ist hier im Norden zum Teil bewölkt, die Wolken bleiben ja gerne mal am Famara Gebirge hängen. Ab und zu knipse ich die Landschaft, auch wenn ich ja schon einige mal hier fotografiert habe, und vor allem beim letzten Besuch 2018 richtig viele hochwertige Fotos, für mein nächstes kleines schriftstellerisches Projekt entstanden sind.

Plötzlich fährt eine Rennradlerin an mir vorbei, nicht viel schneller als ich. Kurz überlege ich…, eigentlich will ich ja in Ruhe mein Ding fahren, aber ich kann mich nicht beherrschen und hänge mich dran. Sie fährt wirklich super, sehr smooth, an den kleinen Wellen sehr harmonisch im Wiegetritt. Ich kann gut dranbleiben wenn ich will, muss aber dann trotzdem 10, 20 Watt mehr fahren als geplant. Ich will nicht unhöflich sein, wenn man ernsthaft trainiert stört der Fremde am Hinterrad manchmal, und lasse mich etwas zurückfallen, halte aber den Abstand gleich.

So fahre ich eine Weile hintendran, eine willkommene Ablenkung. Dann muss ich echt überlegen, ob ich weiterhin eine Spur über meinen G1 Bereich hinausgehen will, oder sie ziehen lasse. Ich entscheide mich für letzteres, aber einfach fällt mir das nicht. Ich bin immer noch von der sehr harmonischen Fahrweise fasziniert.

Ich fahre also wieder mein eigenes Programm, sie zieht allerdings nur langsam weg. Vielleicht biegt sie bei Orzola ja auch in Richtung Famara Gebirge ab, dann könnte ich sie eventuell am Berg wieder einholen, wäre ein schönes Ziel. Allerdings fühle ich mich überhaupt nicht super, im Gegenteil, hatte die letzten Wochen immer mal wieder richtig schlechte Tage auf dem Rad und habe noch dazu zwei Wochen fast nix gemacht, bewusster Formverlust, um hier wieder langsam einzusteigen.

Bei Orzola biege ich nach links in Richtung steilberghoch ab, einzige Alternative wäre ja ein Cappuccino am Hafen, aber auch wenn ich kurz drüber nachdenke, ein bisschen was will heute schon fahren.

Und siehe da, mein erhofftes Ziel fährt so 150 Meter vor mir. Anfangs liegt die Steigung so bei 6%, eigentlich früher genau meine Lieblingssteigung, aber momentan passt die Leistung nicht dazu. Aber das beweglich Ziel vor mir gibt Motivation und ich kurbele halbwegs vernünftig vor mich hin.

Dann zieht die Steigung zwischendurch deutlich an, aber ich komme nicht näher, der Abstand bleibt gleich. Verdammt, die fährt auch noch ordentlich bergauf. Kurz wünsche ich mir die Form vom vorletzten Lanzarote Aufenthalt zurück, aber der Anstieg holt mich schnell in die Realität zurück. Interessanterweise ist es hier in dieser Steigung immer recht warm, einerseits durch die Anstrengung, andererseits steht hier die Luft für Lanzarote Verhältnisse.

Gegen Ende klappt die Straße nochmal kurz mit ca. 15% nach oben, und ich bin echt froh, dass ich erstmals eine 1:1 Übersetzung von 34-34 zur Verfügung habe. Trotzdem ist die Radlerin aus meinem Sichtfeld verschwunden. An der Kreuzung zur LZ-201 entscheide ich mich dafür weiter berghoch zu fahren, mein Motivationsziel ist wohl in die andere Richtung abgebogen.

Die Wolken sehen jetzt recht dramatisch aus über den Bergen und es wird wieder etwas frischer, mit mehr Wind. Obwohl ich mich zwischendurch in dem Anstieg von Orzola nicht gut gefühlt habe, geht es jetzt wieder etwas besser, und so arbeite ich mich nach oben bis Ye. Den Abstecher zum Mirador del Rio spare ich mir, überlege aber schon ob ich nicht doch eine Kaffeepause verdient habe.

Natürlich nicht, also fahre ich weiter, erstmal fluffig bergab, bis die nächste 13% Steigung kommt. Auch hier kommt die 34-34 wieder zu Einsatz. Dann geht es aber erst mal länger bergab, und ich kann die Leistung wieder dosieren, bzw. rolle zum Teil in Richtung Maguez.

Aus Maguez heraus wird’s nochmal kurz sehr steil, dann geht es auf grobem Asphalt halbwegs moderat bergauf, und nach einer kleinen aber schnellen Abfahrt ist Haria erreicht.

Gerade als ich aus Haria wieder heraus fahre treffe ich doch glatt wieder auf die gleiche Radlerin, die gerade, im nach wie gleichen dynamischen Stil, den Berg hinauf fährt. Sie ist so ca. 50 m vor mir. Sie muss offensichtlich eine etwas andere Route gefahren sein, und hat sich vielleicht ein paar Höhenmeter gespart.

Das gibt mir wieder solide Motivation und ich versuche mich heranzurobben. Aber obwohl ich so um 260 Watt fahre, komme ich nicht näher, der Abstand bleibt gleich. Und mehr kann ich momentan nicht dauerhaft geben.

So fahren wie eine ganze Weile im gleichen Abstand die LZ-10 nach oben, in Richtung Sternwarte, und vor allem in Richtung Mirador des Los Valles, dort gibt es ein Cafe und das ist jetzt mein eigentliches Ziel. Gerne würde ich aber vor der Radlerin dort ankommen. Aber das klappt nicht, im Gegenteil, als es in den Serpentinenteil geht, zieht sie langsam davon. Ich kann nichts zusetzen, will auch nicht kämpfen, aber hätte gerne schon noch 20 Watt draufgepackt, aber ohne mich völlig platt zu machen ginge das momentan nicht.

So bringe ich die Serpentinen alleine hinter mich, die Aussicht spielt gerade keine große Rolle, und kurz vorm Ziel nähere ich mich noch zwei anderen Rennradlern, kann sie aber nicht mehr einholen. Anyway, jetzt erst mal kurz durchschnaufen.

Zwar ist auf dem Parkplatz recht viel los, aber im Restaurant selbst geht es, und ich gönne mir einen Cafe con leche und einen viel zu kalten Käsekuchen.

Meine Klamotten sind komplett durchgeschwitzt, mal schauen wie die kommende Abfahrt wird, hier oben ist es schon recht kühl, und natürlich sehr windig. Aber als ich losfahre muss ich erst noch ein Stück bergauffahren, so dass ich schnell wieder warm werde.

In der Abfahrt überholt mich ein anderer Radler und fordert mich auf mich dranzuhängen, ich versuche das auch, aber nachdem ich so 300 Watt treten muss um dranzubleiben lasse ich es zu seiner Enttäuschung sein.

Nachdem die Abfahrt zu Ende ist, wird es deutlich wärmer und ich lasse auf zunächst flacher, dann ansteigender Strecke das Famara Massiv in Richtung Teguise hinter mir. Der Anstieg hinauf nach Teguise, sollte die letzte nennenswerte Steigung für heute sein, den ich beschließe, das es für heute genug ist. Auch wenn es dann nur drei Stunden auf dem Rad werden, ich fühle mich einfach nicht so,und will es ja auch moderat angehen lassen.

Ich gurke noch etwas durch Teguise, weil ich mich kurz verfahre, und treffe dann doch tatsächlich schon wieder auf die Radlerin von eben. Die hat ihren Cappuccino wohl in Teguise genommen. Ich fahre trotzdem in Richtung Hotel, verfehle bei Tahiche nochmal kurz die Einfahrt in die richtige Straße, erreiche dann aber nach nur leicht anstrengender Fahrt in Richtung Norden den Abzweig hinunter an die Costa Teguise und kann wieder mit Rückenwind die finalen Kilometer zum Hotel rollen.

Ich hoffe morgen fühle ich mich besser. Auf jeden Fall werde ich eher eine G1 Einheit machen und als Ziel so 4 Stunden Fahrtdauer ansetzen.

Im Hotel wechsle ich dann erst mal den Sattel. Ich hatte meinen eigenen noch nicht montiert, da ich den vom Mietrad erst mal richtig ausprobieren wollte, der geht aber gar nicht. Sonst hat das Rad ganz brauchbar funktioniert.

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