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Ultracycling und Alpenpaesse

SaisonFazit 2021

Die Saison 2021 bestand eigentlich nur aus zwei Passstraßen und dem Lanzarote Aufenthalt. Trotzdem bin ich sehr froh, dass ich überhaupt eine Saison hatte.

Es ist faszinierend, wie sehr einen das Radfahren positiv beeinflussen kann. Die faszinierende Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers habe ich ja schon oft und intensiv kennengelernt. In die unterschiedlichsten Richtungen.

Diesmal habe ich gedacht, dass ich meine außergewöhnliche Fitness, die durch das Training für die Ultracycling Events kam, verspielt hätte. Und in gewissem Sinne ist das auch so gewesen. 2018 habe ich noch etwas von meiner guten Grundlage profitiert und habe gegen Ende des Sommers, ohne strukturiertes Training, noch halbwegs brauchbare Form bekommen. Aber spätestens 2019 bin ich wieder ein „ganz normaler Radfahrer“ geworden, bwz. sogar noch etwas weniger als das.

Da Corona auch meine berufliche Situation etwas verändert hat, hat es mich einige Energie und Konsequenz gekostet, in 2021 wieder ausreichend Stunden auf dem Fahrrad zusammenzubringen um etwas Grundlage zu legen.

So gesehen war die Minisaison mit den zwei mittelschweren Pässen unglaublich wichtig um mir die Bestätigung zu geben, dass ich noch Material für den einen oder anderen Artikel für steilberghoch.com sammeln kann.

Dabei waren die Zeiten tatsächlich so im mittleren Bereich der angegebenen Zeiten bei quaeldich.de Das gibt einen ganz guten Anhaltspunkt, einerseits um zu sehen, dass es nicht sooo furchtbar lahm war wie es sich angefühlt hat, andererseits, kann man aber auch die Lücke zu den schnellen Zeiten sehen. Kein Ziel für mich, aber Orientierung zur Selbsteinschätzung.

Für nächstes Jahr habe ich ein großes Radreiseprojekt geplant. Ursprünglich habe ich das Projekt eigentlich initiiert um einen Freund zu mehr Sport, Bewegung und einem gesünderen Lebensstil zu motivieren, bwz. hatte ich die Hoffnung, dass er die gleiche unglaubliche Freude wahrnimmt, die das Radfahren bringen kann. Aber das ist letztlich nicht ganz aufgegangen. Allerdings hat mir selbst das Projekt als Ziel sehr wohl geholfen.

Nur wackelt das Projekt momentan etwas. Wenn ich wüsste, dass ich es einfach um ein Jahr verschieben kann, könnte ich damit leben, aber eine große Radreise ist ein echtes Privileg, da muss wirklich viel zusammenkommen, damit man so etwas als normaler Berufstätiger verwirklichen kann. Arbeitgeber und Kollegen müssen es unterstützen oder zumindest tolerieren, die Finanzierung muss passen, und natürlich dürfen privat keine wichtigen Dinge anstehen, die Anwesenheit erfordern. Außerdem muss man körperlich halbwegs gesund sein. Jedes Verschieben verringert dementsprechend die Wahrscheinlichkeit, dass die Reise tatsächlich stattfindet.

Ich habe einige Radreisen für meine Race Across America Teilnahmen geopfert, zeitlich und natürlich finanziell. Meine letzte Radreise ist mittlerweile unfassbare 13 Jahre her. Nach meiner ersten Radreise war ich mir sicher, dass das eine einmalige Sache war. Allerdings war mir schon nach der zweiten Radreise klar, dass ich weitere unternehmen möchte. Konkret in der Planung war bereits eine große Türkei Rundreise mit sicherlich um die 10.000 Kilometern. Allerdings kamen mir da meine Begeisterung für das Ultracycling und der Krieg in Syrien in die Quere. Momentan ist die Situation in der Türkei nicht so einladend für eine Radreise wie ich sie mir vorstelle, und mein Berater in Sachen sehenswerter Kulturschätze der Türkei ist schon seit über 6 Jahren tot. Es gibt eben immer nur kleine Zeitfenster in denen sich gewisse Chancen ergeben, und die muss man nutzen. Das ist nicht immer möglich, aber zu viele darf man nicht verstreichen lassen. Das habe ich auch nicht gemacht bis jetzt, aber jede verstrichene Chance schmerzt natürlich ein bisschen, mal mehr mal weniger.

Anyway, nun gilt es erst mal den Winter zu überstehen, vor allem Januar und Februar sind die Monate mit den wenigsten Radkilometern (indoor Training geht im Moment nicht wirklich gut) und der größten Gewichtszunahme.

Über Equipment brauche ich nicht nachzudenken. Die Preise für Fahrräder aller Art sind völlig inakzeptabel hoch. Rennräder waren schon immer überteuert, aber durch den Fahrradboom und die Teileknappheit gleitet es zum Teil ins lächerliche ab.

Austauschen werde ich nur die Kamera. Da man mit dem Smartphone nur mehr schlecht als recht Bilder vom Fahrrad aus machen kann (weil sich die Kamerafunktion nicht gut erreichen lässt), nutze ich eine wasser- und damit schweißdichte Outdoor Kamera.

Während ich 2007 mit der Panasonic FT Serie angefangen habe, und die Automatik es mir ermöglichte während der Fahrt scharfe und gute Bilder zu schießen, wurden die Nachfolger in der Serie sukzessive schlechter. Daher bin ich auf Olympus TG-6 umgestiegen, doch die

Kamera ist für meine Zwecke noch schlechter als die FT Kameras von Panasonic. Hier muss ich mal schauen ob ich eine bessere Lösung finde. Offensichtlich macht die angebliche neue Intelligenz der Kameras die Dinger nur dümmer. Verstehe ich nicht, hängt aber vielleicht mit dem Entwicklungsbudget zusammen, die Kamerahersteller leiden ja massiv unter den immer höher entwickelten Smartphone Kameras.

Mein als Rennrad dienendes Cyclocross Focus Mares wird also auch in 2022 mein Begleiter sein. Die Tiagra Gruppe schaltet zwar deutlich schlechter als die Topgruppen, aber immer noch akzeptabel. Das eigentlich überteuerte Focus Mares hat einen wirklich guten Rahmen, vielleicht etwas hart, und die ganzen megabillig Anbauteile wie Laufräder und Bremsscheiben, Sattel und Sattelstütze, habe ich längst getauscht gegen einfache aber brauchbare Teile. Einzig ein Carbonlenker mit etwas Dämpfung würde meinen Händen sicher noch gut tun.

Die meisten Kilometer werde ich aber wohl sowieso mit dem einfachen Mountainbike Ghost Kato 3 zurücklegen. Erstaunlich wie gut der Alivio/Deore Schaltungsmix funktioniert, wenn man die Teile regelmäßig wartet. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass MTB Teile von Shimano prinzipiell besser funktionieren als Rennradteile. Man denke nur an die Scheibenbremsen.

Zum Thema Scheibenbremsen kann ich nur sagen, dass das überhaupt kein Thema mehr ist. Ich habe ja schon 2009/2010 geschrieben, dass ich mir Scheibenbremsen am Rennrad wünsche, und nachdem ich die nun in den Alpen ausprobiert habe, ist das gar keine Frage mehr, die sind einfach so viel besser als Felgenbremsen.

Erstaunlich unglücklich ist allerdings die Einführung der Bremsen am Rennrad und die Produktpolitik der Fahrradindustrie hier. Haben die doch tatsächlich versucht uns zunächst mechanische Scheibenbremsen mit Zügen zu verkaufen (um dann das Upgrade auf hydraulische Bremsen zu verkaufen?). Und auch die ersten Entwicklungen der hydraulischen Bremsen werfen kein so positives Licht auf die Ingenieure. Dabei ist das doch dank jahrelanger MTB Entwicklung alles kalter Kaffee.

Anyway, ich habe ein Rad, das wahlweise als Renn-, Gravel- oder Cyclocross Rad funktioniert, ein MTB, das dank dreifach vorne, auch für Grundlagentraining und Fahrten zur Arbeit dienen kann, und eine Stadtschlampe, die bei Diebstahl nur einen verschmerzbaren Verlust darstellt, mehr Fahrrad brauche ich momentan nicht.

Jetzt gilt es nur noch diese Fahrräder auch einzusetzen und körperlich fit zu bleiben, dann werde ich sicher auch die Chance auf meine Radreise bekommen und wahrnehmen können, und noch einige schöne Alpenpässe fahren können. Und vor allem auch noch einige schöne Radmomente mit Marco, Anke, oder anderen Fahrradfreunden und Fahrradfeundinnen erleben.

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