steilberghoch

Ultracycling und Alpenpaesse

Lanzarote Trainingslager Tag 11

Wie vom Wetterbericht versprochen, ist der Wind heute etwas milder gestimmt. Nachdem ich den gestrigen zweiten Ruhetag in Playa Blanca verbracht hatte, und sogar kurz im Meer schwimmen war, ansonsten aber ausgezeichneten Kaffee und gutes Essen genossen hatte, habe ich heute morgen nicht ganz unerwartet wieder eine Gewichtszunahme notieren müssen.

Das ist natürlich für den heutigen Programmpunkt „Höhenmeter sammeln“ nicht so optimal. Ich lege aber gleich los, und fahre sogar noch auf der Avenida de las Palmas den ersten Umweg um ein paar zusätzliche Höhenmeter zu machen.

Auch auf der LZ-14 halte ich mich nicht wie sonst zurück, sondern nutze den Anstieg und den moderaten Wind um Jagd auf einen Rennradfahrer vor mir zu machen. Der ist allerdings schon zu weit weg.

Wie einige Male zuvor fahre ich dann ein Stück auf der LZ-1a nach Norden, was diesmal durch den nur moderaten Gegenwind ganz angenehm ist, und biege dann auf die LZ-404 in Richtung Teseguite ab.

Hier macht sich nun der leichte Anstieg etwas stärker bemerkbar als sonst, denn der Rückenwind schiebt nicht so vehement. Ich ziehe diesmal allerdings nicht durch bis Teseguite oder gar Teguise, sondern fahre auf schlecht geteerter, unbenannter Straße durch El Mojon in Richtung Los Valles.

Rauer Asphalt in El Mojon

Kurz vor Los Valles treffe ich auf die LZ-10, hier zieht die Steigung auch gleich an, und ich laufe im Ort auf eine Rennradlerin auf, wir grüßen uns kurz, sie sieht trotz deutlicher Anstrengung irgendwie glücklich aus. Ich muss an Ankes Klingel denken, auf der steht nämlich „Life is better on a bike“ , könnte stimmen…

Blick hinunter auf Los Valles

Nach der ersten Serpentine sehe ich zwei Rennradfahrer am Seitenrand stehen, sie fotografieren die Aussicht, als ankomme fahren sie aber wieder los. Mir ist heute nach Gas geben ohne Rücksicht auf Trainingsbereiche, und so ziehe ich schnell vorbei und setze mich ab. Allerdings liege ich dabei meist deutlich über dem EB Bereich, wenn sich das mal nicht rächt. Ich will heute aber auch nicht ewig fahren, vier bis viereinhalb Stunden sind so grob der Plan, dabei ca. 2000 Höhenmeter sammeln wäre ganz gut.

Ich lasse den Windpark hinter mir, und fahre an der „Sternwarte“ (die tatsächlich eine militärische (Abhör?)Einrichtung ist) zur Abwechslung mal bei strahlendem Sonnenschein vorbei. Bald habe ich den höchsten Punkt erreicht, und in der Abfahrt hinunter nach Haria, über die fünf Serpentinen habe ich die Straße zunächst für mich ganz alleine. Erst im unteren Teil begegnet mir das ein oder andere Auto und auch einige Rennradfahrer, eine ganze Gruppe sogar.

In Haria überhole ich im Anstieg eine weitere Rennradlerin, ich fahre wieder ein bisschen oberhalb des EB Bereichs, so das mein „Hola“ etwas gequetscht herauskommt, aber sie würdigt mich keines Blickes. Dafür lege ich „zur Strafe“ nochmal 20 Watt drauf und ziehe weg.

Eigentlich ist mir das egal, aber das ist eine schöne Abwechslung, und so kann ich mich motivieren die Höhenmeter heute mit etwas mehr Power zu fahren. Auf Haria folgt Maguez, auch hier fährt man erst steil bergab auf schlechtem Asphalt hinein, und dann auf mittlerem Asphalt recht steil berghoch wieder raus. Schließlich wird die Asphaltqualität gut, dafür lässt der 13% Anstieg in Richtung Ye nicht lange auf sich warten. Auch hier versuche ich wieder einen anderen Radfahrer einzuholen, aber der ist zu weit weg, und biegt dann auch noch in eine anderer Richtung ab.

Ich fahre jetzt erstmal durch Ye und habe plötzlich Lust einen Kaffee zu trinken, d.h. nichts Gutes. Ich bleibe weiter auf der LZ-201 und versuche die Abfahrt zu genießen, merke aber, dass mir völlig die Körner ausgehen. Irgendwie war das nicht so klug, so zu überziehen, aber mir war halt danach. Jetzt bekomme ich ein echtes Problem. Ich bleibe ein bisschen auf dem Gas, auch bergab, und sehe auch kein Problem bis Orzola zu fahren wie es mein Plan ist, aber da werde ich dann wohl endgültig im Cafe landen…

Erst mal biege ich ab auf die LZ-204 in Richtung Cueva de los verdes. Das bringt etwas Abwechslung, da mir auch einige Autos auf der engen Straße entgegenkommen. Schließlich lasse ich die 204 hinter mir und biege auf die LZ-1 ab in Richtung Norden. Dieser Abschnitt ist heute wirklich angenehm zu fahren. Zwar gibt es Gegenwind, aber eben einfach nur normalen Gegenwind, nicht dieses brutale Blasen des Nordost Passat, welches das Fahren so laut und anstrengend macht.

LZ-204 in Richtung Cueva de los verdes
LZ-1 hoch im Norden

Allerdings sehe ich mich nicht weiter kommen als bis Orzola, damit wäre der Plan für das heutige Training dahin. Aber ich fühle mich fast ein bisschen elend, ein Cafe con leche könnte definitiv helfen. Ich steige von Wasser auf KH Getränk um. Das schmeckt wirklich erstaunlich schlecht. Mein erster Eindruck war ja „künstlich“, der verfestigt sich, und irgendwie schmeckt es auch nicht besser wenn man sich ein bisschen leer gefahren hat.

Allerdings scheint es zu helfen. Denn während ich die ersten Kilometer sicher bin, im Hafen von Orzola zu stranden, und mich dann von Kaffeepause zu Kaffeepause auf flacher Strecke ins Hotel zurückzuschleppen, fange ich einen Kilometer vor der Kreuzung schon an zu überlegen, ob ich es nicht vielleicht doch schaffe meine ursprünglich angedachte Strecke zu fahren.

An der Kreuzung biege ich ohne zu zucken nach links in Richtung „steilberghoch“ ab. Vor meinem inneren Auge das Bild wie ich den Mirador del Rio erreiche trotz der Schwächephase, das hilft irgendwie.

Ich würde nicht sagen, dass ich den Anstieg hinaufpeitsche, aber eigentlich klappt es ganz gut. Zwar ziehe ich auf den flacheren Abschnitten nicht durch, sondern erhole mich etwas im niedrigen G2 Bereich, außerdem trinke ich recht viel vom ,wie gesagt nur mittel leckeren, KH-Getränk, aber letztlich fahre ich nicht soviel schlechter wie die Tage zuvor.

Schon ziemlich oben in einer sehr steilen Passage überholt mich ein Rennradfahrer, jung, durchtrainiert, schnell, kann ich akzeptieren. Ich lege etwas zu, damit er nicht einfach wegzieht, dranbleiben kann ich aber nicht.

Macht nichts. Beim Abbiegen auf die LZ-201 überholt mich noch einer von der gleichen Kategorie, eine gute Motivationshilfe für den restlichen Anstieg, der dann erstaunlich gut funktioniert. Am Ortsschild von Ye biege ich ab in Richtung Mirador del Rio. Auch dieser Anstieg funktioniert gut, ich fahre sogar wieder etwas über meine Verhältnisse. Oben drehe ich eine Runde um die Manrique Skulptur, und fahre dann über die sensationelle LZ-202. Da der Wind heute nicht so brutal ist, ist das nicht so ein Abenteuer, allerdings muss ich kurz mal eine Gruppe Fußgänger von der Straße brüllen, die mich irgendwie ignorieren und meine Straßenseite versperren, während mir ein Auto entgegen kommt. Das „Wegbrüllen“ funktioniert erstaunlich gut…

Wieder auf der LZ-201 angekommen, fahre ich zunächst den Weg von vorhin zurück, d.h. über Maguez nach Haria. Die Strecke kenne ich ja mittlerweile recht gut, springe an den richtigen Stellen über die nervigen Fahrbahnschwellen, die sollen die Autos bremsen, und sind recht unangenehm, wenn man voll darüber fährt.

Anyway, bald ist Haria erreicht, und ich fahre in den wohlbekannten Anstieg hinauf in Richtung Mirador de los Helechos. Aus Haria heraus präsentiert sich das Tal auffällig friedlich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Wind heute nicht so wütet, und das Wetter so schön ist. Ich habe mich mittlerweile völlig erholt, und trinke immer noch recht viel vom KH-Getränk. Es muss allerdings auch nur für vier Stunden reichen, das passt schon.

Der Anstieg durch die schönen Serpentinen, mit der tollen Aussicht hinunter auf das Malpaso Tal und Haria macht Spaß, und ich spiele schon hier mit dem Gedanken, als Sahnehäubchen auf meine Höhenmetersammelei gleich noch den Anstieg zum Castello bei Teguise draufzusetzen. Aber soweit ist es natürlich noch nicht. Zunächst muss ich noch etwas arbeiten um den höchsten Punkt zu erreichen. Es macht bei diesen Windverhältnissen außerordentlich Spaß. Wieder habe ich anfangs den Anstieg ganz für mich alleine, bevor leichter Verkehr einsetzt.

Blick auf Haria und die Serpentinen der LZ-10

Oben angekommen, kann ich erstmals die Abfahrt vorbei am Windpark, hinunter nach Los Valles genießen. Da der Wind nicht bösartig und böig von der Seite kommt, muss ich nicht 90% der Konzentration darauf verwenden um auf der Straße zu bleiben, sondern fahre einfach locker bergab. Allerdings etwas langsamer als bei den letzten Malen, denn der Wind schiebt auch nicht so stark von hinten. Erstmals auf der Rückfahrt kann ich einen Blick auf das noch entfernte Castello werfen, es ruft eindeutig „fahr mich“.

Ich kann die Kilometer von Los Valles bis Teguise recht locker bei leichtem Rückenwind fahren, die Beine haben die Schwächephase defintiv überwunden. Ich überhole noch eine Rennradlerin, und bin mittlerweile heiß auf den schwersten Anstieg für heute. Kurz nach dem Ortseingang biege ich scharf links ab in Richtung Castello Santa Barbara – und schaue dumm auf einen Bauzaun. WTF!

Ich hatte schon mitbekommen, dass das Castello eingerüstet ist, allerdings fahren da keine Baufahrzeuge oder so, warum muss diese Straße für Radfahrer gesperrt sein?! Sperrt doch gleich die ganz Insel! Mmaaaaan, ich habe mich jetzt eine Stunde lang mental auf den Anstieg vorbereitet, und muss vor dem Bauzaun umdrehen. Mist.

Ob ich überhaupt die 2000 Hm voll kriege? Egal jetzt, ich drehe eine Runde vor dem Bauzaun und fahre weiter, hinein nach Teguise. Dort fahre ich ein bisschen gegen die Bremse hinter einem Bus her um dann ab dem ersten Kreisel hinter dem Ort freie Bahn zu haben. Auf der LZ-30 überhole ich die Rennradlerin von eben nochmal, und fahre in Richtung Monumento al Campesino. Nach kurzer Abfahrt, durch den Kreisel, an dem ich die Tage zuvor nach Caleta de Famara abgebogen bin, geht es immerhin bergauf, so dass ich noch ein paar Höhenmeter sammeln kann. Ich habe sogar noch ein bisschen vom KH-Getränk, so dass ich mich auf die letzten Höhenmeter richtig freue.

Ich fahre bis zum Bauernmuseum und -skulptur, und biege dort ab in Richtung San Bartolome. Auch hier gibt es noch ein paar Höhenmeter bevor ich auf die LZ-34 in Richtung Müllkippe abbiege. Oder freundlicher formuliert in Richtung Tahiche.

Die Beine sind immer noch ok, der Wind kommt zwar entgegen, aber eben immer noch moderat, so dass ich einigermaßen vorwärts komme, an der Mülldeponie kurz die Aussicht auf Arrecife genießen kann, und dann eher steil bergab nach Tahiche reinfahre. Auf Grund der Windverhältnisse diesmal ohne Kampf.

Die Straße führt vorbei am Tierheim und an der Fundacion Cesar Manrique, über einen großen verkehrsreichen Kreisel und schließlich in Richtung Golfplatz. Während ich vorgestern einen Umweg in Kauf genommen habe, um diesen letzten Anstieg aus Tahiche heraus zu umgehen, bin ich jetzt froh über die kommenden, letzten Höhenmeter. Denn so kann ich geradeso die zum Ziel gesetzte 2000 Höhenmeter Marke knacken, trotz des fehlenden Anstiegs zum Castello.

Auch die nun folgende, letzte Abfahrt hinunter auf die Straße der Palmen, die mich zum Hotel führt, bleibt diesmal ohne Abenteuer und Kampf. Wegen des fehlenden böigen Seitenwinds, und natürlich weil ich diesmal mit Luft im Vorderrad fahre. Mir wird nämlich gerade klar, dass ich hier tatsächlich mit plattem Vorderreifen mit 30 Km/h bei Seitenwind runtergefahren bin. Erstaunliche Notlaufeigenschaften, die der Reifen da bewiesen hat.

Anyway, die letzten Kilometer genieße ich bei Sonnenschein und Rückenwind, rolle zum Hotel, und werde morgen mal schauen, ob ich mir wirklich einen „all-out“ Test über zwanzig Minuten antun will…

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